Accessibility – Barrierefreiheit für digitale Produkte und interaktive Systeme

Human
Centered
Design.

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Barrierefreiheit für digitale Produkte und interaktive Systeme

Wenn ich mein Design barrierefrei gestalte, sieht es dann nicht «behindert» aus?

Digitale Produkte, die nach Accessibility-Richtlinien gestaltet und realisiert sind, bieten allen Menschen einen leichteren und bequemere Zugang. Accessibility-Standards werden ausführlich in den Web Content Accessibility Guidelines 2.0 oder für die Schweiz in der Accessibility-Checkliste 2.0 von Access for all zusammengefasst.

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Was ist accessibility?

Gleichstellung aller Menschen

Wie kann eine Website, ein Automat oder ein Informationssystem für alle Menschen, auch für solche mit Behinderungen oder Einschränkungen, zugänglich sein? Wie kann das digitale Produkt auch ohne Maus-Steuerung bedient werden? Wie müssen Informationen aufbereitet sein, damit diese auch von Menschen mit Leseschwäche verstanden werden? Aber auch umwelt- und situationsbedingte Einschränkungen wie zum Beispiel schwierige Lichtverhältnisse, kleine Monitore oder komplizierte Prozesse können Menschen ausschliessen. Das alles sind Themen mit denen sich das Fachgebiet Accessibility auseinandersetzt. Dabei steht das Prinzip der Gleichstellung aller Menschen im Zentrum.

Bei «Accessibility» geht es nicht um Kompromisse bei der Gestaltung, damit Menschen mit Behinderungen das digitale Produkt auch nutzen können. Vielmehr geht es darum, dass Accessibility-Richtlinien bei der Gestaltung und Realisierung helfen, digitale Produkte zu entwickeln, die von allen Menschen leichter verstanden und einfacher bedient werden können. Um ein barrierefreies Produkt zu entwickeln müssen weder grosse Abstriche bei der visuellen Gestaltung gemacht werden noch fallen riesige Summen für Extra-Aufwand an. Wichtig ist, dass die Accessibility-Leitlinien und Prinzipien von Anfang an in den menschenzentrierten Design-Prozess integriert werden und im Bewusstsein aller Projektbeteiligten (Stakeholder) verankert sind.

Leitlinien für barrierefreie Gestaltung

Zwei-Sinne-Prinzip

Das digitale Produkt darf nicht nur visuelle erschliessbar sein. Gestalte immer nach dem Zwei-Sinne-Prinzip. Alle Informationen können mit Hilfsmitteln (z.B. Screenreader), über zwei Sinne wahrgenommen werden.

Universelles Design

Es gibt nur eine Lösung, die für alle bedienbar sein muss. Stelle sicher, dass das digitale Produkt auch mit der Tastatur bedienbar ist. Der Fokus muss immer sichtbar sein.

Selbstbestimmung

Das Design soll möglichst wenig fix vorgeben. Gestalte das Design flexibel. Im Minimum kann die Schriftgrösse den eigenen Bedürfnissen angepasst werden.

Accessibility-Checkliste

Wahrnehmbarkeit

«Die Informationen und Komponenten der Benutzerschnittstelle sind so darzustellen, dass sie von den Nutzerinnen und Nutzern wahrgenommen werden können.»

  • Gibt es für Bilder, Grafiken, Videos und Animationen gute Textalternativen?
  • Ist die Schrift gut lesbar?
  • Können Nutzer die Schriftgrösse verändern?
  • Sind Links gut erkennbar?
  • Ist der Kontrast zwischen den einzelnen Elemente gross genug?
  • Ist das User Interface räumlich klar definiert?
  • Gibt es 3+-2 Einträge pro Menü?
  • Wird auf unnötige und störende Element verzichtet?
  • Sind Audio‐ und Videodateien mit Untertitel versehen?
  • Gibt es für zeitbasierte Medien Alternativen?
  • Werden Bewegung und Animation so eingesetzt, dass sie keine Anfälle auslösen?
Bedienbarkeit

«Die Komponenten der Benutzerschnittstelle und die Navigation müssen bedient werden können.»

  • Ist das digitale Produkt auch mit der Tastatur bedienbar?
  • Ist die Navigation auf allen Seiten konsistent?
  • Ist die Benutzerführung leicht und verständlich?
  • Gibt es eine Zurück-Funktion?
  • Werde Orientierungshilfen angeboten?
  • Helfen Piktogramme bei der Orientierung?
  • Wird auf Captchas verzichtet?
  • Haben die Benutzer genügend Zeit, um Inhalte zu lesen und zu benutzen?
  • Ist das digitale Produkt für die Benutzer vorhersehbar?
  • Wird die Affordance (Aufforderungscharakter) des Produktes erfüllt und ist die Bedienung intuitiv?
Verständlichkeit

«Die Informationen und die Bedienung der Benutzerschnittstelle müssen verständlich sein.»

  • Sind Texte einfach und ohne Fremdwörter geschrieben?
  • Unterstützen Illustrationen und Bilder den Inhalt?
  • Werden bewährte und allgemein verständliche Zeichen verwendet?
  • Ist der Fokus immer sichtbar?
  • Sind Dialoge verständlich und hilfreich?
  • Unterstützen Fehlermeldung beim Erlernen des Produkts?
  • Sind Links und Button-Texte eindeutig? (nicht «Mehr» oder «Weiter»)
  • Gibt es Hilfestellungen?
Robustheit

«Inhalte müssen so robust sein, dass sie von möglichst allen Benutzeragenten, einschliesslich assistiver Technologien, zuverlässig interpretiert werden können.»

  • Ist das System Fehlertolerant?
  • Ist das digitale Produkt maximal kompatibel mit Browsern und Hilfsmitteln?

Accessibility ist auf alle Aspekte von Einschränkungen anzuwenden

Bereits die in der Umgangssprache als Behinderungen bezeichneten Einschränkungen umfassen viele unterschiedliche Kategorien:

  • sensorische Einschränkungen: visuelle, auditive, taktile, haptische
  • motorische Einschränkungen: (Fein-)Motorik, Mobilität
  • kognitive Einschränkungen

Aber auch umwelt- und situationsbedingte Einschränkungen können Menschen von der erfolgreichen Teilnahme an der Onformationsgesellschaft ausschliessen:

  • kleine Bildschirme
  • ungünstige Lichtverhältnisse
  • unnötig komplizierte Prozesse
  • unverständliche Sprache
Glossar

Accessibility beschreibt die Leichtigkeit (Bequemlichkeit), die Menschen mit Behinderungen oder Einschränkungen bei der Interaktion mit eine Digitalen Produkt erleben.
Usability beschreibt die generelle Leichtigkeit (Bequemlichkeit) bei der Interaktion mit einem Digitalen Produkt , während User Experience die übergeordnete Zufriedenheit der Nutzer im Fokus hat.